Am 21.10.2026 stand die nächste GO-Bio initial online Veranstaltung unter dem Thema „Moderne Prothetik: Entwicklung innovativer Materialien und KI“.
Dr. Kaal von der Fraunhofer-Gesellschaft stellte ein Gemeinschaftsprojekt vor, in dem ein verbesserter Finger für eine ästhetische Handprothese entwickelt wurde. Er betonte, dass in erster Linie Fragestellungen aus der Industrie aufgegriffen, bearbeitet und umgesetzt werden, wobei auch die Sicht und Wünsche von Patienten und Patientinnen einbezogen wurden. Das Projekt begann mit der Entwicklung von programmierbaren Materialien, deren Eigenschaften durch bestimmte Stimuli steuerbar sind. Für den verbesserten Finger wurden mehrere Verbesserungsaspekte berücksichtigt und die verschiedenen Umsetzungsmöglichkeiten in Form eines morphologischen Kasten dargestellt und ausgewertet. Die Verbesserungen sollten sich zunächst auf die Erweiterung der Funktionalität des Mittelfingers, ein einfaches und kostengünstiges Herstellungsverfahren und eine Skalierbarkeit, also eine Größenanpassung beziehen. Seine Kollegin Frau Dr. Wenz schilderte dann sehr anschaulich die Umsetzungswege, angefangen vom 3D Druck von bistabilen Einzelelementen bis zu einem ersten Prototyp aus mehreren Einzelelementen, den Simulationen und Messungen, bis ein verbesserter Finger entstand, der den gewünschten Anforderungen entspricht.
Anschließend beleuchtete Frau Dr. Baumann vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse ITAS der KIT (Karlsruhe Institut for Technology) ethische, rechtliche und Nutzerakzeptanzaspekte bei KI-gestützten Hand- und Beinprothesen und berichtete über ihre Erkenntnisse die sie während ihrer Dissertation mit verschiedenen Stakeholdern wie den Nutzer, Entwicklern, Krankenkassen und Zulassungsbehörden zu KI-gestützten Hand- und Beinprothesen gemacht hat. Sie betonte, wie wichtig es sei, dass bei der Produktentwicklung von neuen Prothesen auch die Anwender*innen einbezogen und deren Anforderungen berücksichtigt werden, um die Akzeptanz zu erhöhen. So ist z.B. das Problem des Schwitzens unter der Prothese ein noch ungelöstes Problem. Frau Dr. Baumann ging auch auf die rechtlichen Herausforderungen bei der Zulassung (EU-MDR und EU AIAct) und auf die Situation zur Kostenerstattung durch Krankenkassen ein. Abschließend wurden Kosten-Nutzenaspekte und Risiken durch eigenmächtige oder fehlerhafte Aktionen einer KI-gesteuerten Prothese und damit verbundene Haftungsfolgen diskutiert.
